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Barcamp Salzburg Juni 2008, Review

Ich sitze gerade auf dem Vorplatz des Salzburger-Hauptbahnhofs und habe endlich den Rest von Kevin Kelly’s NetEconomy fertig gelesen. Es sind noch genau 1 Stunde bis der Zug weiter fährt nach Wien. Der Platz hier in Salzburg ist relativ leer, dafür dass die EM zur Zeit läuft. Rechts von mir sitzen zwei Security-Leute vor dem FanCity Häuschen. Hinter mir sitzen Italiener und disktieren. Asiatische Touristen schauen mich beim Passieren fragwürdig an. Sitze mit dem Laptop hier ohne Internet. Ah… habe gerade ein paar offene Access-Points gefunden. Mist. Leider von A1 und gebührenpflichtig. Gleich das nächste testen. Erfolgslos.

So jetzt mal zum BarCamp Salzburg. Das ARGEkultur, ist anscheinend ein Punkt von interkulturellem Austausch. Da nachdem ich aus der ARGEkultur heraus kam, wimmelte es von Indern, Türken, Afros, Tänzer in traditionellen Trachten, Leute saßen an Biergarnituren und redeten. Wie eine rießige Familie feierten sind gemeinsam.

Im Keller von der ARGEkultur, gab es das Studio. Eine Bühne und zwei Ecken zum Sitzen. Alles sehr dunkel gehalten. Die Wände sind schwarz, die Möbel sind schwarz. Als ich ankam, musste ich erst mal nachfragen wo das BarCamp statt findet. Zufälligerweise kam mir ein sympathischer Kollege in Barfuss und Cappy entgegen. Übrigens, es war verdammt heiß in Salzburg. Hoffe die Kollegen in Furtwangen haben da auch so viel Glück.

Verschwitzt kam ich also im Studio der ARGEkultur an. Der Kollege sah mein riesigen Koffer und zeigte mir den Fahrstuhl. Unten angekommen, war alles sehr familiär. Kein Förmlichkeiten, keine Nadelstreifenanzüge, keine Agenda. Wir haben uns kurz vorgestellt. Die Jungs von subnet.at haben noch etwas am W-Lan gearbeitet. So dass wir nicht wie geplant um 14:00 Uhr mit den Sessions starteten.

Eine offizielle Vorstellungsrunde und danach mussten wir doch noch eine Agenda aufstellen. Da es nur die Bühne gab. So dass keine parallele Sessions ablaufen konnten. Verglichen mit Salzburg, war die Zeppelin Universität purer Luxus. Nicht dass ich hier die ARGEkultur abwerten möchte. Ganz im Gegenteil. Es war authentischer. Sagen wir mal „back to the roots“. Es hätte nur noch eine Wiese gefehlt, auf welcher unsere Zelte stehen. Es wurde auch in der Vorstellungsrunde gefragt, ob man etwas vorstellt. Ich hatte das Gefühl, dass bei denen, die keine Sessions vortragen, eine leichte negative „Schwingung“ von subnet.at aus kam. Vielleicht auch eine falsche Wahrnehmung von mir, weil alles so schwarz war ;)

Nun zu den Sessions. Am Interessantesten fand ich die folgenden Themen:

Selbstorganisation von Axel Baumgartner, der selbst bei subnet.at tätig ist. Er stellte seine Kernthema wirklich klar und deutlich vor. Es geht um die Selbstorganisation von Systemen. Er zog die Systemtheorie herbei und erklärte einfach die Frage wie man alles mit Selbstorganisation beantworten könnte. Universum, Existenz, Autostaus, Vogelschwärme oder Fischschwärme hat er als Beispiele genommen. Mit einem Tool namens NetLogo vom Massachusetts Institut of Technology, hat er Verhalten von Systemen visualisiert. Dieses Tool lässt durch leichte Parameter Veränderungen Ameisen verwirren, Glühwürmchen im Akkord glühen, geordnete Vogelschwärme bilden.

Obwohl alles irgendwie chaotische Systeme sind kann eine Ordnung sich aus diesem Chaos bilden.

Tipping Point, Attraktor und was noch für Fachwörter da aufgetaucht sind. Es hatte alles irgendwie seine Zusammenhänge. Und vor allem, ich habe endlich das Wort gefunden, dass meine Gedanken von Biotechnologie, Netzeffekte erklärt. Es ist Selbstorganisation. Kevin Kelly hat es zufälligerweise auch in seinem Buch erwähnt. Das Phänomen der Rückkoppelung, ist ein Resultat der Selbstorganisation. Das allgemein Wort für Ergebnis der Selbstorganisation nennt Axel und die Vertreter der Selbstorganisation als „Emergenz“. Das System ist dezentral gesteuert und definiert durch seine Existenz sich selbst. Und da kommt auch zufälliger Weise wieder Niclas Luhmann. Der ebenso eine Systemtheorie in der Gesellschaft, Medien, Kommunikation anwendet. Und genau so auf das Prinzip Rückkoppelungseffekte eines Systems eingeht, wie die der Selbstorganisation.

Mit den Modellen, Erklärungsmodellen sehe ich, dass diese auf das Verhalten von Social Communities anwendbar sind. Es handelt sich um Netzwerke, Verhaltung der „Masse“. Ist es wichtig zu wissen was der Einzeln in einer VC denkt, welche intrinsische Motivation er hat? Könnte man einen VC-Teilnehmer nicht auch auf einzelne Variablen wie eine Ameise, Vogel, Fisch oder einen Planeten herunter brechen.

Ich muss zur Zeit eine Präsentation über die kritische Masse von Virtual Communities vorbereiten.

Und diese medienökonomisch und mediensoziologisch erklären. In Metaphern gesprochen, dann könnte ich doch einfach die Dufstoffweitreiche erhöhen, oder die Sichbarkeit von VC-Teilnehmern für andere VC-Teilnehmer erweitern. Die Frage, wo liegt in einer VC der Tipping Point? Ich denke es sind die verschiedenen Möglichkeiten der Kommunikation. StudiVZ, Facebook und & Co. Sind meiner Meinung nach, weil sie den Nutzer unterschiedliche Kommunikation-tools zur Hand geben, um miteinander und über sich selbst zu kommunizieren. Bilder, Mail, Ajax Chat, Pinnwand, Personen Tagging. Alle sind Interaktionsmöglichkeiten und verbunden mit einem gleichem Interessenkreis wie Studenten, Freunde, Berufstätige, Absolventen entsteht ein Multiplikator-Effekt, der die erfolgreichen Social Communities so weit gebracht haben.

So nenne ich es hier mal eine multilateraler Kommunikationszugang und Interessenüberlappungen sind beteiligt am Erfolg von VCs.

Ich bin ein Freund von Einfachheit. Auch wenn es manchen zum Ohr heraus quillt. Wieso müssen Wissenschaften alles so kompliziert erklären? Neuronal, sozial, wirtschaftlich, psychologisch und wie man Verhalten noch so erklären kann. Der Mensch ist ein Ergebnis der Evolution. Und die Evolution ist eine Emergenz der Selbstorganisation der Natur. Und somit stelle ich hier die These in den Raum, dass soziale Netze ob im Internet oder in der realen Welt auf Basis der Selbstorganisation zu erklären sind.

Weiter Themen: werde ich die Tage einstellen, wenn ich etwas mehr Zeit habe. Bilder folgen auch noch.

2 Comments »

  1. freut mich, dass mein vortrag das thema selbstorganisation gut erklärt hat. bei den fotos steht “kopfschmerzen von den glühwürmchen”, ich hoffe, das bezieht sich nur auf die dame rechts von mir die ja etwas erbost darüber war, dass man mit selbstorganisation dem menschen bzw. dem individuum die verantwortung wegnimmt. das hätte ich im vortrag besser klarlegen sollen, denn am ende entscheidet immer noch das individuum und es kommt darauf an wie man sich von der masse beeinflussen lässt, und wie man zur masse beiträgt. und das bringt meiner meinung nach sehr wohl verantwortung für das individuum mit sich.

    Comment by Axel Baumgartner — 9 July 2008 @ 12:49

  2. Sicher sicher, man kann ja alles umdrehen wie man will. Klar ist jedes Individuum für sich selbst verantwortlich, nur ist das Phänomen/ die Emergenz damit zu ansatzweise zu erklären. Ich habe gerade das Buch “Linked” von Barabási gelesen, das wäre was für dich.

    Comment by admin — 9 July 2008 @ 15:21

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