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Der erste Tag in Furtwangen

So das Ende in Furtwangen ist nahe doch beginne ich mit dem Anfang. Das hatte ich irgendwann mal geschrieben. Damit es nicht verstaubt, hier eine kleine Anfahrtsgeschichte nach Furtwangen.

Es ist ein wunderbarer Spätsommer. Die Spitzen der Blätter von den Bäumen haben sich schon leicht gelb gefärbt. Die Sonne strahlt durch die Baumkronen der Straßen auf der Uhrenstraße nach Furtwangen. Der Fahrtwind weht durch das Autofenster, saftige Wiesen getränkt in Morgentau duften nach einer verregneten schwülen Nacht. Häuser-Schatten flackern auf der Fahrt vor meinen Augen, begleiten mich auf meinen Weg in eine verschlafene Ortschaft in Mitten des Schwarzwaldes. Eine Ortschaft, die mich meine nächsten drei Jahre prägen wird. Fern von Heimat und Freunde, fern von der bekannten Umgebung und von Bekannten. Eine Entbindung für immer oder eine zeitweilige Verbindung? Ich habe Freiburg hinter mir gelassen, mein Auto kurvt die Serpentinen des Schwarzwald entlang bis auf etwa achthundert Höhenmeter. Eine letzte scharfe Kurve trennt mich vor dem Ortsschild des unbekannten Furtwangens. Im Kofferraum stapeln sich die Umzugskisten und oben drauf meine Gitarre. An der zweiten Kreuzung links hinauf, der steilen Rabenstraße weiter. Was mag das für ein Omen sein, wenn die Straße schon nach einem schwarzen Vogel, der laut Märchen Hexen und Zauberern dient. Ganz am Ende des Weges liegt es, das kleine gelbe Häusschen, in dem ich ein Abschnitt meines Lebens verbringen werde. Am Berghang auf der Südseite des Tals, in dem Furtwangen liegt. Mich erwarten also schöne Sonnenaufgänge und -Untergängen. Die Haustür öffnet sich einen Spalt und ein kleines molliges blondes Mädchen spickt aus dem Türspalt heraus. Schaut mich mit neugierigen Blicken an und lächelt. Es folgt der kleine dürre Bruder und zeigt sein breitestes Lächeln von sich. Vater und Mutter des Hauses ergänzen die glückliche Familie, im Hintergrund scheint die Sonne durch die Balkonfenstern, eine leichte Lichtsiluette strahlte um die Menschen, die mich für eine gewisse Zeit beherbergen werden. Ich drehe den Zündschlüssel um und der Motor gibt seine letzten Geräusche an diesem Tag von sich.
Händeschüttelnd begrüßen mich die Burgbachers, überreichten mir meinen Wohnungsschlüssel. Wir wechselten ein paar Worte und dann mache ich mich ans Werk. Kisten, Regale, Bretter und allerlei Krimskram müssen in die Wohnung bevor es dunkel wird.

Ich lasse mir Zeit mit dem Ausräumen und Aufbauen. Setze mich an auf die Türschwelle meines eigenen Wohnungseingangs und habe den Blick auf Furtwangen. In der Ferne sehe ich die Spitzen der unzähligen Tannen, die wie ein Schutzwall um Furtwangen liegen. Manche verstehen es auch als Gefängnis, aus dem es keine Chance zur Entrinnung gibt. Das ist aber eine andere Geschichte, die vielleicht noch folgen wird. Im Westen liegt die Hochschule, die mich für die nächsten drei Jahre aufgenommen hat. Abseits der Stadt über ein kleinen Weg durch einen Friedhof und über die Straße, kurz am Buchhandel vorbei und da liegt Sie, die Hochschule Furtwangen. Neben ihr das berühmte Uhrenmuseum. Eine Attraktion für Besucher aus Fern und Nah. Wiederkehrende Reisebusse mit Franzosen, Chinesen, Japanern und Russen sind keine Seltenheit. Einer Geschichte nach sollte kein Student das Uhrenmuseum vor seinem Abschluss besuchen, es heißt es bringe Unglück, das eine vorzeitiges Studiumende bedeuten solle. Gehen wir wenige Schritte links vom Museum weg, so finden wir den Haupteingang des so genannten A-Baus vor. Ein mit Stahlbalken erbauter Koloss im Zentrum Furtwangens. Gegründet von dem berühmten Robert Gerwig. Uhrenmacher war er seines Berufes. Hätte er sich damals denken können, dass aus seiner kleinen Uhrenmacher-Stube sich eine international bekannte Institution entwickelt hat, die über dreitausend Studenten in Furtwangen und Villingen schult. So ist auch die Straße nach ihm benannt, die sich von Museum bis zum Marktplatz erstreckt. Entlang des Weges finden wir die Cafetería unter den Studenten gerne auch als Caféte bezeichnet. Weiter geht es über ein Taschenladen, einer Metzgerei, einem Tischler, einem Souvenirladen und an der Ecke eine Bäckerei namens Kracherle. Da ist es, das Zentrum des Ortes, der Marktplatz. Der Ort an dem sich junge Leute nach der Schule treffen, diskutierende Großväter auf den Bänken sitzen und junge Männer in ihrem Übermut mit ihren lauten Autos die Vögel von Marktplatz aufscheuchen. Ich bin in Furtwangen.

1 Comment »

  1. Schön geschrieben… Hach, da wird man richtig nostalgisch-traurig. ;)

    Comment by Andy — 3 February 2009 @ 23:20

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