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Eine Wohngemeinschaft ist…

… keine Lebensgemeinschaft. Aus diesem Grund haben wir vor 6 wochen entschieden aus dem Miethaus der Firma auszuziehen. Wie sucht man also hier in Vietnam nach einer Mietwohnung bzw. Miethaus? Es gibt 3 Möglichkeiten:

  1. Auf eigener Fauss ohne Plan drauf los fahren mit der Annahme, dass das Glück einem zu Schildern mit der Aufschrift “zu vermieten” führt.
  2. Man sucht sich einen ortskundigen Makler in seiner Gegend aus.
  3. Man sucht wie jeder andere heutzutage im Internet. (was bei Immobilien in Vietnam noch nicht normal ist, sondern 1 oder 2 eher in Frage kommt)

Unser ersten Gehversuche lernten wir durch Möglichkeit 3. Jedoch fanden wir schnell heraus, dass bei all den Objekten, die wir uns aussuchten, irgendein halbwissender Makler dahinter steckte. Unser Ziel war gewesen, mindestens 2-3 Apartments zu begutachten, um uns erst mal Überlick über Zustand und Kosten zu erhalten. Bei der ersten Maklerin, hatten wir insgesamt 2 Wohnblöcke besichtigen können. Jedoch blieb es nur bei einem. Weshalb? Hier die Kurzgeschichte:

Wir saßen am nach Abwasser wohlriechenden Fluss und tranken in der spaeten Mittagssonne das neue Tiger Crystal. Ja auch hier ist Bier in Gold, Silber und Light à la Becks Gold angekommen. Etwas leichter und süffiger im Geschmack und fliesst schneller die Gurgel herunter. Dazu einen kleinen Snack “Bò lúc lac khoai tây chiên” und gekochten Mini-Eiern (fragt nicht was das für welche sind), haben wir auf einen Kumpel von Dương gewartet – der uns bei der Besichtigung begleitet hatte. Glücklicherweise ist er in der Gegend aufgewachsen und konnte uns vorab schon einige Tipps geben. Diese Tipps begrenzten sich auf :”Ne, lasst mal, wohnt lieber nicht hier, es ist zu gefaehrlich in dieser Ecke!”. Ich bin kein Freund von Angstmacherei, doch nachdem er es wirklich einige male versucht hatte uns abzuraten, war die Apartment Besichtigung des Phu My Wohnblock nur noch pro forma.

Nach einer Fahrt durch Irrgassen (Gibt es eigentlich ein deutsches Wort für einen Weg, der noch kleiner ist als eine Gasse?), trafen wir auf das Phu My. Die Maklerin hat schon auf uns gewartet. Auf dem Weg zum Fahrstuhl warfen wir kritische Blicke auf die Umgebung des Wohngebietes und die Außenschale des Gebaeudes. Verglichen zu den Wellblechhütten, die es hier in HCMC tausendfach gibt, ist Phu My gar nicht so schlecht.

Die unangenehme Totenstille im Fahrstühlen, ist keine kulturelle Eigenart der Deutschen, sondern ganz klar ein interkultureller Habitus, seit dem Fahrstühle erfunden wurden. Ausgestiegen aus dem von der Morgen- und Mittagssonne aufgeheizten Fahrstuhl, stoppten wir vor eine Wohnungstür, die mit einer zusaetzlichen Sicherheitsschiebetür ausgestattet ist. Doppeltgemoppelt haelt wohl besser. Die Maklerin klingelte und es dauerte ein bis zwei Minuten, bis jemand die Tür aufschloss. Ein Schatten huschte im Türschlitz hin und her, es knackst und man hört den Schlüssel sich zweimal drehen. Ein aeltere Damen mitte Vierzig öffnete uns die Türen. Ihr Blick verraet uns, dass sie keine Auslaender erwartet hatte. Uns kam der Geruch von kaltem Rauch entgegen, was uns den starken Zigarettenkonsum des Vormieters verraet. Die Entscheidung war schnell gefallen, Nein. Nicht nur die Wohnung stinkte, sondern auch der Preis. 550 USD für ein Wohnung, in der wahrscheinlich in dem verschlossenen Zimmer eine alte Oma vor sich hinvegetierte, eine Annahme die wir machten, da uns das Zimmer nicht zur Begutachtung aufgeschlossen wurde, überzeugte uns nicht sehr. Zudem waren wir schon durch den Ratschlag des Kumpels voreingenommen.

Der Abschied viel uns nicht schwer und so zogen wir los, auf zum naechsten Wohnblock. Halbwissender Makler, hatte ich oben geschrieben. Auf diese Maklerin trifft eher wissenslos zu. Begründet durch die Tatsache, dass sie einen Fahrer, brauchte, der ihr den Weg zum naechsten Wohnblock zeigte und sie kutschierte. Zudem wusste sie nicht mal wo sich das Apartment in dem Wohnblock befand. Aber soweit kamen wir nicht. Warum?

Angekommen am Wohnblock, trafen wir erstmal auf einen langen  Motorbike Parkplatz, der sich direkt vor dem Eingang befand. Nun standen wir wieder vor einem Fahrstuhl, nur unterscheidet sich dieser mit dem Vorhergenden, dass er in ein Wohnhaus installiert ist, das mal grundsaniert werden sollte. Zusaetzlich noch eine Art Mafia, vor dem Eingang des Hauses herum lungerte. Diese drei Genossen, passten auf, dass ja keiner den Fahrstuhl kostenlos benutzen darf. Genau, ihr lest richtig “kostenlos”. 1000 VND, sollte es pro Kopf kosten. Ich lachte nur und drehte mich schnurstracks um. Zielgerade in die Richtung aus der wir gekommen sind. Um die Logik nochmals nachzuvoll ziehen, wir ziehen da ein, bezahlen Miete für eine Wohnung, die sich in diesem Objekt befindet. Um in die Wohnung zu gelangen, benutzt man ein Fahrstuhl, der nun nochmals was kostet. Pro Person! Ja klar, logisch machen wir doch Frau Maklerin. Ein Dankeswort und sie sah nur noch unserer Staubwolke nach.

Wie wir zu unserem jetztigen Apartment gekommen sind, erfahrt ihr im naechsten Beitrag.

In diesem Sinne gut gewohnt ist halb gelebt.

Ein Bild zum Vorgeschmack:

Nachtsicht und -Blick auf Saigon in Richtung Nord-Westen.

Nachtsicht und -Blick auf Saigon in Richtung Nord-Westen. Vom Balkon unserer neuen Wohnung.

1 Comment »

  1. Deine Schilderungen sind immer wieder interessant zu Lesen. Eigentlich würde ich euch nun an der Stelle gutes Gelingen der weiteren Suche wünschen, aber in Anbetracht dessen, dass ich schon fündig geworden seid bin ich nun einfach nun gespannt auf Teil 2.

    Comment by Augustus — 21 April 2010 @ 23:27

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