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Geburtstag im Geburtsland

15 verrückte Mädels im Irish-Pub bringen die Männer-Herzen zum beben. Die Q-Bar, eine Welt die nicht nach Saigon passt. 3 Brötchen am Brötchen Stand von der alten Frau, die aussieht wie Elton John und Golden Girls zusammen. Vergleiche alte Erinnerungen vom gleichen Ort nicht mit der Gegenwart.

Michael der Pub-Besitzer ist nach 10 Jahren Vietnam immer noch überraschbar.

Missgeschick,Beichte und Einweihung

Heute ist schon wieder Sonntag. Die Zeit geht zu schnell um. 3 Monate bin ich schon hier und es fühlt sich nicht annähernd danach an. Was ist so die letzten zwei Wochen passiert. Duong der neue Informatik Trainee aus Basel ist seit 1 Monat hier und wir haben im Haus einen zusätzlichen Genossen zum reden, ausgehen und verstehen. Letztes Wochenende war ich mit ihm und Chris in Down-Town. Es hat eine neue Bar mit dem Namen “Buffalo” aufgemacht. Dem Besitzer gehört auch das Allez-Boo und das GO2. An jenem Freitag-Abend hatte der Büffel preopening Party. Das bedeutet nichts anderes als, dass die Bar noch nicht fertig ausgestattet ist aber schon Bier verkauft. Und was passiert mir? Nach einer Flasche Tiger musste ich mal für kleine Jungs und fragte die Bedienung “Nhà Vệ sinh ơ  đâu vẫy?” (Wo ist die Toilette?). Ich folgte natürlich seinem Zeigefinger und traf unterwegs ein paar Handwerker, die noch einiges Interieur installierten. Fragte diese auch nochmals, ob ich die Toilette nutzen kann. So öffnete ich die Tür zum Bedürfnisraum und fand ein modernes Pissoir auf. Ganz aus Glas und stellt euch vor, was hinter dem Glas sich befand? Ein Flachbildschirm. Man konnte also direkt beim Bierablassen Fernseh gucken. Aber es war zu schön um war zu sein. Der Flachbildschirm blieb aus und mein verdautes Bier machte sich, anstatt auf den Weg in die Kanalisation, einen Weg vom Pissoir auf den Fußboden. Holy Shit! Dachte ich. Ich bin wohl der erste Benutzer dieser Toilette. So war es auch gewesen. Heimlich verdrückte ich mich zurück an meinen Tisch, wo Chris und Duong auf mich warteten. Ich natürlich gleich das Missgeschick erzählt und die “verpissten” sich wortwörtlich.

So konnte ich das nicht stehen lassen. (Ich meine die Story und mein flüssiges Missgeschick, das ich hinterlassen hatte). Ich sprach dann eine Frau an, die nach der Chefin der Bar aussah und beichte ihr mein Nachlass in der Toilette. Es gesellte sich ein Westler hinzu, der sich als Mann und Besitzer der genannten Bars entpuppte. Mike heisst er. Ein interessanter Kerl so Anfang 50. Ich wiederholte meine Beichte und er sprang auf und rannte zur Toilette und es tummelten sich derweil einige Vietnamesen um ihn, eine mit einem Lappen und Eimer. Ich konnte mir ganz klar vorstellen, was nun dahinten sich abspielte.

Er kam zurück und sagte mir, nun kennst du meine Toilette und hast die Flachbildschirme gesehen. Weißt du was ich für Filme da abspielen lassen werde, fragte er mich. Obama und Georg Bush Videos. Den Rest könnt ihr Euch ja selbst ausmahlen. So sprachen wir noch eine Weile, er erzählte mir was er alles so vor hatte in Vietnam. 8 Resorts am Meer aufbauen und wenn ich mal Zeit habe sollte ich im Allez-Boo Resort in Mui Ne vorbei schauen. Mein Gesicht wird er nicht mehr vergessen, musste er zugeben. Ich habe seine Toilette feierlich eingeweiht.

Das war nur eine Story von diesem Wochenende. Die anderen Geschichten erzähle ich Euch lieber nicht.

Was früher nicht klappte…

…muss nicht heißen, das es heute nicht klappt. Seit der Schule, Bundeswehr, Ausbildung, Praktika und Studium habe ich schon bei einigen Unternehmen gearbeitet. Auch nun hier in Vietnam beobachte ich diese Einstellung von Typ Mensch, die in der Vergangenheit schlechte Erfahrung mit einer Sache gemacht haben und nun darauf versteift sind, dass das auch so bleibt. Konkreter gesagt, Ihr habt eine Business-Idee und versucht diese vor Jahren auf den Markt zu bringen. Ohne Erfolg. Heute frage ich Euch nach diese Business-Idee und ihr verneint alle meine Argumente. “Das habe ich auch so damals gedacht, ja das funktioniert nicht, das habe ich auch versucht…” Aber oft vergessen solche Personen, dass die Zeit ja nicht stehen bleibt. Der Markt entwickelt sich, neue Technologien werden eingeführt und die Menschen nehmen diese Veränderungen an. Heute wäre die Zeit für deine Business-Idee.

Besonders in der Telekommunikations- & IT-Branche ist das ganz schnell-lebig. Gestern flop, heute top! Und am Ende merken solche Personen erst, wenn die Konkurrenz ein Schritt voraus ist. Dann ist es zu spät und man hechelt immer hinter her. Früher schmeckter mir Bier nicht, doch heute trinke ich es täglich gerne.

T-Shirt, Handy und Gitarre

Heute habe ich Post bekommen.  Mein FuCamp T-Shirt ist im Büro eingetroffen und es sieht prächtig farbenfroh aus. Das werde ich dann gleich mal im Herbst (wenn man hier in Vietnam davon sprechen kann), wenn das BarCamp Saigon statt finden wird, anziehen und das FuCamp in Vietnam repräsentieren ;)

Was ist sonst noch passiert? Ich war letztes Wochenende in Bien Hoa, die Stätte meiner Geburt und 2,5 Jahre Kindheitserinnerungen, von denen ich nur vom Hören-Sagen etwas weiß. Samstags Abends den Onkel vom Flughafen abgeholt, der mit Tante in China für 8 Tage auf Reisen war.  Dort etwa 1 Stunde gewartet bis der Flieger gelandet ist und so gegen 22:30 Uhr wurden wir von einem Freund des Onkels mit dessen Auto chauffiert worden. Um Mitternacht sind wir dann angekommen. Ich kann mich kaum noch an die Gegend erinnern. Es sind ja auch über 12 Jahre her, seit dem ersten Besuch in Vietnam. Damals gab es den neuen Flughafen nicht, die Motorbikes gabe es auch nicht in der Masse, Mobiltelefone waren auch nicht bekannt und viele Straßen waren ungepflaster bzw. geteert.

So ging es von einer Verwandtschaft zur anderen. Und was durfte bei Vietnamesen nicht fehlen? Essen und Trinken. Mit dem Onkel ging es am Sonntag in eine Restaurant. Die Tante hatte den halben Schnapsschrank in der Handtasche mitgenommen. Rotwein & Schnaps von zu Hause, das wir dann einfach auf den Tisch ausgepackt haben. Dazu gab es Grapefruit Wein, irgendwie war alles da mit Grapefruit, da es sich um ein Grapfruit Restaurant handelte. Voll gefressen und warm vom Schnaps fuhr mein Cousin Long zu den Geschwistern väterlicherseits. 4 Tanten waren zu besuchen. An jeder Station durfte ich natürlich die gleiche Geschichte erzählen. Was machst du hier? Was arbeitest du hier? Bist du schon verheiratet? Wieviel verdienst Du? Letzteres hat mir nicht so gepasst, was ich auch so direkt gesagt habe.

Zuletzt dann Abendessen bei der ältesten Tante. Am Ende saßen wieder die Männer beisammen und aßen und tranken. Die Frauen tauchten ganz unauffällig unter, was ich irgendwie schade finde. Das letzte Schluck Bier ging dann so kurz vor 21:00 Uhr den Rachen runter. Danach fuhr mich einer der zahlreichen Cousins zu meinem Onkel. Da der Sohn von ihm Long mich am frühen Montag Morgen nach Saigon fuhr. Eine lange holprige Strecke von ca. 40 km, die mit dem Motorbike ca. 1 Stunde dauerte. Bis vor den Eingang des Büros hat er mich gefahren. So dass er am Ende meine Wohnung und nun auch meine Arbeitsstelle kennt, von dem er dann zu Hause schildern konnte.

Ach ja, übrigens ich habe mir eine Gitarre gekauft. Vietnamesische Handarbeit vom feinsten, keine Kopie sondern wirklich originale Ware. Gerade mal 1 Mio VND gekostet, was bei den aktuellen Kurs ca. 40 Euro sind. Dazu habe ich eine einfache Tasche und 1 Plektrum. Zusätzlich habe ich mir noch ein Satz Saiten gekauft. Man weiß ja nie. Und hier ist das schöne Stück:

Handgemachte Gitarre aus Saigon

Und als kleines Willkommensgeschenk gab es vom Onkel ein gratis Nokia Handy. Ein Modell, das ich in Deutschland noch nicht gesehen habe.

Angeln für Anfänger

Nach einem Tag nur in der Wohnung rumhängen, ging es heute am Sonntag um 9:30 Uhr zum Angeln. Boomy die Frau von meinm Chef teilt mit mir die Leidenschaft zu Fischen. Wir veinbarten am Freitag ein Termin und so ging es mit dem Motorbike samt Angel-Equipement in Richtung Hoc Mon, nordwestlich von meiner Wohnung und dem Büro. Nach 30 Minuten Fahrt sind wir an einer sehr ländlichen Gegend angekommen. Abseits der Hauptstraße ins Feld hinein und etwa nach 300 Metern lag ein kleines Haus umkreist von kleinen Fischteichen. Das Motorbike-Kennzeichen wurde aufgenommen und ich suchte uns gleich die schönste Stelle zum Fischen aus. Jede Angel-Stelle hatte einen kleinen rechteckigen Pavillion. Das Dach mit vertrockneten Palmblättern gedeckt und der Boden sauber gefliest. An zwei Säulen war eine Hängematte aufgespannt, diese mich gleich einladen anlächelte. Ich also gleich in die Hängematte und Boomy packte die Angeln aus und bereitete alles nötige vor. Ich bekam die kleine Angelrute und Boomy als Profi eignte sich die Größere an. Ich schaute interessant bei der Ködervorbreitung zu. Ich dachte bisher man verwendet  Würmer, Fleisch oder Insekten als Köder. Doch Boomy hatte zwei Sorten an Pulvern, die sie mit etwas Teichwasser anreicherte und knetete aus diesem Zeug eine zähe Masse. Mit dieser Masse liesen sich dann kleine Kugeln formen, die wir dann an den Angel-Haken aufspießen konnten.

Der Magen knurrte bei mir gleich und ich bestellte mir zum Frühstück Reis und Hähnchenflügel in Fischsoße gebraten. Leider gab es kein Pho. Beim Essen hatte ich dann meine Augen nur dafür und vergaß meine Angelrute zu beobachten und schwupps ist es passiert. Der Köder samt Angelrute wurde von einem dicken Fisch in den Teich gezogen. Der Tag fing schon mal gut an. Wir riefen einen Angestellten des Restaurants und baten ihn um hilfe. Er natürlich nicht gerade begeistert gewesen, rief einen anderen Kollegen, der schon nass war. Dieser ohne zögern stieg ins Wasser und watschte ein paar Meter durch den Teich aber ohne Erfolg. Wir drange ihn doch bitte noch weiter zu suchen, nachdem er meinte dass es aussichtslos sei noch weiter zu suchen. Nach ca. 10 Minuten zog er 10 Meter am anderen Ende des Teiches die Angelrute aus dem Wasser. Ich war sehr erleichtert, denn die Rute gehörte Boomy. Dennoch war die Angelrute etwas demoliert. Aber war nicht so schlimm meinte Boomy:  “ich muss noch viel lernen”, sagte sie. Nach dem einen Fehler folgte der nächste. Auf Boomy’s Kommando zog ich fest an der großen Angelrute, da der Schwimmer sich bewegte. Ich mit aller Kraft gezogen und was passiert? Das Gewicht mit Haken fliegt rückwärts hinter meinen Rücken auf den Dach des Pavillions, über diesem die Stromleitung verläuft. Angelschnurr hat sich gleich ein paar mal um die Stromkabel gewickelt und Haken hat sich auch verfangen. Tolle Wurst….

Boomy: “You don’t bring me luck today”. Und so war es auch gewesen. 9 Stunden nix gefangen. Aber davon liesen wir unsere Laune nicht vermiesen und haben Hot Pot bestellt und tranken unser kaltes Bier. Am Ende hat das Glück es doch gut mit uns gemeint. Einen 1.25 kg schweren Fisch (eine Welsart, laut Internetsuche müsste es eine Waller sein), der jetzt in meinem Gefrierfach für den nächsten Verzehr auf mich wartet.

P. S.: Kiemen und Flossen von Fischen bewegen sich auch noch nach dem Ausnehmen.


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